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Aktuell.








Möbelmesse Mailand 2009.

Die Messe war wesentlich besser besucht als in den letzten Jahren. Ein Plus von 29% zum Vorjahr. Das zeigt die Suche nach 'dem Trend'. Trend bedeutet in der heutigen Zeit auch die Suche nach Identität, Orientierung und man spricht sogar wieder das altmodische Wort 'Heimat' aus. Das andere große Thema war die Umwelt und Nachhaltigkeit- man spricht heute nicht mehr von Bio- sondern von einem 'grünen Bewusstsein'. Der dritte große Komplex ist der Gegentrend zum 'Geiz ist geil'.- 'In' ist wieder Genuss, Qualität und das Premium Segment. Qualität zeigt sich in hochwertigen Materialien und dazu gehört auch der große Bereich der Oberflächenbeschaffenheit. Ob Hochglanz mit extrem glatter Oberfläche oder authentisch strukturiert mit Synchronporen. Haptik steht für Echtheit und Wertigkeit und wird auch in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema vielleicht sogar eine Notwendigkeit werden. Das in Mailand gezeigte Spektrum passte in vielen Variationen in diese Strömungen. Die Schwarz/Weiß/Grau Welle wogt weiter, aber der Hang zu Hochglanzfronten zeigt sich leicht rückläufig. Gold und Silber zeugen weiterhin den Trend zur Opulenz auf. Uni Farbtöne wurden auch strukturiert- ein Tribut an die 'Pflegeleichtigkeit'.

Nussbaum traditionell in Italien stark vertreten war auch in diesem Jahr häufig zu sehen. Im Gegensatz zum Vorjahr war er nicht mehr so rustikal und hatte auch keine Splintanteile oder Äste mehr. Geradlinige und reduzierte Blumenanteile, geplankt und dennoch mit allover- Wirkung. In den Farbvariationen creme- bis mittelbraun bis hin zu teak- und honigfarben. Der Noce ersetzte den kaum gezeigten Kirschbaum das begründet wohl auch den enormen Nuancenreichtum der Farbtöne. Eiche zeigte sich häufiger als im Vorjahr in ähnlichem Aufbau wie der Nussbaum in eleganter allover-Wirkung. Ohne Astanteil, oft hell beige ohne Gelb-Anteil wie leicht gedämpft und offenporig. Aber auch honigfarben und Schoko- braun oder dunkel Anthrazit.

Akazie hatte den Stellenwert als 'Eicheersatz' und wurde interpretiert wie Eiche. Pinie wurde in ruhiger Ausführung gezeigt ohne Astanteile mit minimalem Blumenanteil, ähnlich wie bei Nussbaum und Eiche. Sie war in großer Farbvielfalt zu sehen fast immer gebürstet (gröber als Oregon Pinie). Oftmals quer eingesetzt und mit Struktur wie ST 22 versehen. Die Pinie diente als Träger für die Kombination von Struktur und Farbe, das 'Holz' war in diesem Fall eher zweitrangig. die Farb- Palette reichte von Weiß, Hell Beige, Mittel- Braun, Goldgelb, Rot-Braun, Rot-Violett, Anthrazit Grau/Braun. Makassar wurde in Hochglanz streifig und ruhig gezeigt. Indian Apple wurde häufig im Quereinsatz gezeigt. Farblich hell, natürlich und orange. Teak war nur noch sporadisch zu sehen genau wie Olive.

Palisander wurde sehr lebhaft und extrovertiert dargestellt. Carrara Marmor traditionell großes Thema in Italien wurde noch verstärkt durch den Schwarz/Weiß Trend. Semi matte Oberflächen fast wachsartig in Weiß-Grau. Travertin wurde ruhig und homogen eingesetzt auf Arbeitsplatten und Tischen. In seiner hellen beige/grauen Anmutung wurde er zu modernen Möbeln eingesetzt und hatte nichts 'Altbackenes'. Botticino Classico und groß strukturierte Marmorarten wie Marmor Acceglio wurden in Altweiß, Nougat und Schoko gezeigt. Der Schwarz-Weiß-Grau Trend machte auch vor den Fußböden nicht Halt, teilweise auch in Hochglanz.












Skurrile Trends - und 'Weiß' als Bühne.

Von eingelassenen 'I-Pods' in die Tischplatte mit dazugehörigen Soundsystems, über Sitzkissen aus Rindenmulch, einem Schrank aus Schaumstoff und leuchtenden Fotos. Wer es extravagant, auffällig und vor allem Weiß mag, ist auf der diesjährigen immer genau richtig. Der Trend 2008 heißt zwar, dass keinen Trend gibt, dennoch gibt es eine Trendfarbe: Weiß. Weiße Betten, weiße Couchen, Kissen und Sessel, weiße Lampen, Decken und Teppiche - einfach alles in Weiß mit wenigen, aber kräftigen Farbakzenten. Konkurrenz zu Weiß bilden in diesem Jahr Schwarz und Silber. Die Interior Trends der IMM für 2008 heißen 'Outside In', 'Neo Nature', 'Design School' und 'Priceless'. Wer sie mit den Trendbooks der vergangenen Jahre vergleicht, wird neben inhaltlichen und formalen Kontinuitäten auch neue Stilentwicklungen finden. Auffällig ist der anhaltende Wunsch nach individualisierten Produkten und Einrichtungen etwa durch Hightech-Produktion oder limitierte Editionen. Die banale Technik wird eher versteckt als exponiert. Auch wer seine Wohnung als Nest gestaltet, denkt in Zukunft großzügiger, räumlich wie inhaltlich. Entsprechend dem Interior Trend 'Outside In' werden normierte Sichtweisen auf den Kopf gestellt. Alles wird 'von außen nach innen' gewendet, neu zusammengewürfelt, auf individuelle Bedürfnisse maßgeschneidert. Solitäre werden ersetzt durch Muster bildende Reihen geometrischer Grundformen. Gegensätze werden lässig zu einem neuen harmonischen Ganzen kombiniert. Der Blick wendet sich von innen nach außen, die Grenzen werden durchlässig, der Kokon transparent. Die Natur wird entweder importiert oder aber kurzerhand künstlich nachgebaut, neu erfunden. Holz spielt vor allem als ausdrucksstarker Partner eine große Rolle; es versteckt sich nicht mehr hinter flachen Strukturen. Nur die Klassiker der Moderne bleiben unverändert wertvoll. Pastellige Töne auf blau-grauer Basis, raue Oberflächen und mattes Linoleum ergeben ein warmes Ambiente.

Dem Sinn für das Ausgefallene und Revolutionäre folgt der Interior Trend 'Neo Nature'. Formen und Konstruktionen ahmen die Natur als Gestaltgeber nach. Hightech wird dabei zum Schlüssel für eine formale Verjüngung, die als 'Super Nouveau' vom Trendboard mit dem Jugendstil verglichen wird. Formen erscheinen nicht nur wie gewachsen, sie sollen sich den Bedürfnissen auch anpassen können, wie ein mitwachsender Organismus. Formen wie Kugeln, Waben und Kristalle, knochige oder knotige Verästelungen und filigrane Konstruktionen, Materialien wie metallische Netzstrukturen und Schäume sorgen für Leichtigkeit, die Farbe Türkis für kühle Frische.In Wohnungen, die dem Interior Trend 'Design School' entsprechen, wird man die Wohnwand wohl vergeblich suchen. Hier wird das Ideal des ewig Unfertigen dem des Klassikers entgegengesetzt. Das Prozesshafte der Inszenierung korrespondiert mit einem jungen, experimentierfreudigen Lebensgefühl, das sich als 'New Naive' verstanden sehen will. Spielerisch werden Design-Zitate eingesetzt und verändert, das zusammenhanglose Detail gegenüber der langweiligen Utopie des Gesamtkunstwerks bevorzugt. Die Farben kommen direkt aus dem Malkasten, die Formen wirken unfertig, gestaucht und verfremdet:

Der junge Einrichtungsstil hat vielleicht etwas an Glamour verloren, aber nicht an Respektlosigkeit. Das, was in 'Design School' abgelehnt wird, ist das Ideal von 'Priceless': das Gesamtkunstwerk, der 'Total Look'. Doch auch hier wird die Ästhetik nicht durch Glätte, sondern durch die raue Oberfläche charakterisiert. In einem eklektischen Bilderrausch wird alles miteinander kombiniert - auch, wenn es nicht zusammenpasst. Der Reiz liegt in der Lässigkeit der Inszenierungen, die strenge Dramaturgie dahinter erschließt sich nur dem Kenner. Designobjekte sind dabei die Kunst von heute. Wie in der Kunst gibt es im Design keine Grenzen des Machbaren oder des Geschmacks, Warme, zurückhaltende Grau und Kameltöne bilden den Rahmen für Schwarz- und Rotakzente, für originale Designobjekte und organische Formen. Der Vergleich mit den Möbelmessen der letzten Jahre brachte vor allem diese Einsicht: Es gibt keine eindeutige Richtung mehr - es herrscht bei aller Kreativität auch sehr viel Verunsicherung.

Aber es gibt auch Positives an dem neuen Weißtrend: Keine andere Farbe bietet eine so gute Bühne für Hölzer. Die perfekte Inszenierung für Massivholz, Furnier oder Dekordruck bietet eben diese Nichtfarbe.








Claudia M. Traulich Dipl. Ing., Dipl. Des.

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